Über das  Thema  “ Treideln” ,  -also über das  Ziehen von Schiffen auf Binnenflüssen,- habe ich hier weitere Informationen eingefügt:


Das folgende habe ich in dem Buch “ Speyer und der Rhein “ von Herrn Prof. Dr. Günther Stein gefunden, aus dem auch die Abbildungen stammen. Die Originale befinden sich im Historischen Museum der Pfalz in Speyer/Rhein.


Treideln
Flußaufwärts wurde seit dem 8. Jahrhundert getreidelt, das heißt, Knechte zogen das Schiff vom Ufer aus an einer langen Leine, die an einem Mast im Vorschiff befestigt war. Treidelpfade und Treideldienst waren überörtlich organisiert. Außerdem wurden die Flußkähne stromaufwärts auch mit langen Stangen gestakt. Gabelförmige Eisenschuhe solcher Stangen sind zahlreich gefunden worden, auch in Speyer.

Für die Bergfahrt war die Treidelei durch Menschen- oder Pferdekräfte nötig, wenn wegen zu geringer Takelage oder bei Windstille das Segeln nicht möglich war. Je nach dem Zustand der einzelnen Stromabschnitte waren sieben bis zehn Mann (oder ein Pferd) für eine Ladung von 10 bis 15 t erforderlich.

Treidelei hat es schon in römischer Zeit gegeben, der Begriff wird allerdings erst 1180 in Köln verwendet. Am nördlichen Oberrhein ist ,,Treideln“ erstmals 1385 nachgewiesen, und zwar zu Nieder-Ingelheim.


TREID1ATreideln im Mittelalter. Zwei Männer ziehen vom Leinpfad (Knüppeldamm) aus ein Frachtschiff mit einer am Mast befestigten Leine. Holzschnitt des 15. Jhs.


 Oberhalb von Speyer bei Schröck (heute Leopoldshafen/Baden), wo der Rhein seinen Lauf häufig änderte, gab es weder einen künstlichen noch einen natürlichen Leinpfad. Hier treidelte man mit Menschen, die wohl auch durch flaches Wasser in Ufernähe waten mußten. Die Schwierigkeiten des Treidelns in Mittelalter und Neuzeit bezeugten immer wieder Klagen der Schiffer über den schlechten Zustand der Leinpfade, die meist nur aus schmalen Knüppeldämmen bestanden.
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Treideln großer Schiffe mit Pferdegespannen bei Bingen. Die Schleppleinen sind oben am Mast befestigt, ein kurzes Seil läuft von der Schleppleine zum Bug des Schiffes, um auch diesen in Schlepprichtung zu bringen. Kupferstich von Matthäus Merian , um 1645


Für das Treideln von etwa 2000 Zentnern Fracht wurden zehn bis zwölf Pferde benötigt; dies sieht man z. B. auf der Ansicht Bingens von Matthäus Merian (Kupferstich um 1645).
Auf manchen Strecken wurden mehr als zweihundert Männer zum Treideln eines Lastschiffes gebraucht.
TREID5ATreideln eines Frachtschiffes durch zwei Pferde nördlich von Speyer. Lithographie von Johann Gerhard Ruland(1785 -1854),sign./datiert 1826


( Text und Abbildungen mit freundlicher Erlaubnis von Frau Stein, Speyer, zitiert aus dem Buch :” Stadt am Strom – Speyer und der Rhein “ von Prof. Dr. Günther Stein, Speyer. 1. Aufl. Speyer, Zechner, 1989 ISBN 3-89928-892-5.  )


 Soweit aus dem Buch von Prof. Dr. Stein



Den folgenden Beitrag zu diesem Thema habe ich im Internet gefunden, eingefügt mit freundlicher Genehmigung des Autors , Herrn Hansjörg Groenert
Fachleiter für Biologie am Staatl. Studienseminar für das Lehramt an
Gymnasien in Rheinland-Pfalz ,56076 Koblenz, Hermannstrasse 12:


Unsere Schule steht direkt am Leinpfad, dem ehemaligen Treidelweg längs des Rheinufers. Vor dem Eintritt der Dampfkraft in den Dienst der Schifffahrt wurden die Lastkähne von Pferden, die über diesen Leinpfad geführt wurden, an Seilen (Leinen) flussaufwärts gezogen.
leinpf2
Dort wo die Kirchgasse in Pfaffendorf auf den Rhein führt, sieht man heute noch bei
treidst2Niedrigwasser (< 100cm) einen Treidelstein, an dem ein schwimmendes Fass (Tonne) mit einem Ring angekettet war, an dem die Treidler ihre Schiffe befestigten, wenn sie in Pfaffendorf eine Pause einlegten, um in der Kirche mit einem Kerzenopfer für die bisher überstandene Reise zu danken und sich und die Pferde zu stärken.

In Speyer hörte der Leinpfad auf und Menschenkraft trat an die Stelle der tierischen. Flussabwärts wurde gesegelt oder man ließ die Schiffe mit der Strömung treiben. Die Fließgeschwindigkeit des Rheins beträgt vor unserer Schule bei mittlerem Wasserstand etwa 8 km/h .


Soweit der Beitrag von Herrn Groenert



Der Pfälzerwald-Verein Rheinzabern  hat als treidlerweg-hordt-titelseiteInformation  zu einer Wanderung auf dem Treidlerpfad in Hördt eine sehr interessante PDF – Datei erstellt.
  Mit freundlicher Genehmigung des Vereins habe ich diese hier eingefügt.  Es werden  viele  historische Details  beschrieben  über den Rhein, das Treideln, die Treidler und den Treidlerweg in unserem Nachbarort Hördt. Erreichbar über folgenden Link:
Treidlerweg-Hoerdt



 Zu diesem Thema hier noch die beiden Bilder der “Wolgatreidler “ des Russischen Künstlers Ilja Repin ( 1844 – 1930 ). Die beiden Bilder zeigen das Treideln von Schiffen auf der Wolga, wobei nicht nur im optischen, sondern auch im künstlerischen Ausdruck die Menschen im Vordergrund standen . Sicher waren politisch-sozialkritische Aspekte das Thema, das Ilja Repin hier kunstvoll ins Bild gesetzt hat. Man glaubt förmlich die Anstrengung und die volle Härte dieses Jobs zu spüren, der diesen Menschen auferlegt war.

repin_wolgatreidler-b05

repin_treidlerinfurth-b03


Verschiedene Besucher dieser Seite haben die Frage aufgeworfen, ob auf den obigen Bildern von  Ilja Repin die Schiffe vorwärts oder rückwärts getreidelt werden.
Hier die jeweiligen Meinungsbeiträge:


Frau Uta Brauer aus Berlin, hat auf Grund verschiedener Einzelheiten den Eindruck, daß auf den beiden Bildern von Ilja Repin die Schiffe nicht vorwärts, sondern rückwärts getreidelt wurden.


H.B. Rosenberger aus Stuttgart meint zu diesem Thema, daß das Rückwärtstreideln durchaus sinnvoll ist, Zitat:
“ weil das Ruder dann, flussauf gesehen, vorne angeströmt wird. So lässt sich das Schiff gegen die Strömung besser vom Ufer fernhalten, da genügt ein wesentlich geringerer Rudereinschlag, man „bremst“ das Schiff weniger ab, als wenn man „Vorwärts“ treideln würde. “
Ende des Zitats aus seiner e-mail.


Herr Schmidt-Formann aus Hamm an der Lippe hält es für durchaus möglich, daß auf dem Bild von Ilja Repin das Schiff aus praktischen Gründen rückwärts getreidelt wurde.
Er schrieb mir u.a. folgendes zu diesem Thema:
(Zitat): Auf dem ersten Bild des Künstlers Ilja Repin ist zu erkennen, dass der Segelbalken (ich bin kein Segler, sicherlich gibt es hier eine fachlich richtige Bezeichnung) hinter dem Masten liegt, insofern wird dieses Schiff rückwärts gezogen. Ich möchte die Theorie aufstellen, dass diese „Taktik“ im Zusammenhang mit schlechten Wendemöglichkeiten in den sich verjüngenden Oberläufen der Flüsse stehen könnte. So stehen die Schiffe nach dem Beladen im Oberlauf schon in der richtigen Richtung.
(Ende Zitat )


Herr Jan Philipp Gölz aus Hilden ( b. Düsseldorf) schrieb mir zu der Frage, ob die Wolgaschiffe evtl. rückwärts getreidelt wurden u. a. folgendes:

“ Die Schiffe damals waren teilweise sogar von Flussabschnitt zu -abschnitt verschieden. Am Rhein gab es so z.B. auf der Strecke zwischen Köln und Mainz die Schiffsform des “ Oberländers „. Dieses Schiff fuhr zwar vorwärts, hatte aber trotzdem vorne und hinten ein Ruder. Jedoch es ist nur ein Rheinschiff und sieht dem abgebildeten Schiff nicht annähernd ähnlich.  Ich denke, daß man lediglich irritiert wird durch die Form und Gestaltung des Bugs. Denn es erinnert an die geschmückten Hecks, die man in Piratenfilmen an den Schiffen sieht.  Ich meine, es handelt sich um eine damalige Schiffsform der Wolga, die man eher nicht mit Schiffen von heute vergleichen sollte. Es sieht zwar wie das Heck aus, aber das kommt wohl eher von unserer Vorstellung über moderne Schiffe. Der „Oberländer “ sieht wohl auch eher aus wie ein Holzschuh, als wie ein Schiff.“
Soweit das Zitat aus seiner Mail


Herr Friedhelm Lang ist der Meinung, daß auf den Bildern von Repin die Schiffe vorwärts getreidelt werden. Er schreibt ( Zitat):
:….Wenn Sie sich die Bilder genau anschauen, sehen Sie, dass am Heck eine Person das sogenannte Helmholz (Ruderpinne) bedient. Mit diesem wird das Ruder betätigt. Vorne ist auf beiden Bildern kein Ruder zu erkennen. Also werden die Schiffe mit Bug voraus getreidelt. ( Ende Zitat )


Das  Treideln ist nur ein Aspekt dieser Webseite und kann deshalb hier nicht umfassend behandelt werden. Für alle, die sich näher damit beschäftigen möchten, habe ich hier noch einige   Links zu weiteren interessanten Seiten gesammelt:


Treidelgalerie 1Treidelgalerie 2, Treidelgalerie3, Treidelgalerie 4, Treidelgalerie 5,



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